
Ich möchte mich an dieser Stelle nicht en detail über Politik auslassen, sondern auf den Terrorismus im Zeitalter der Globalisierung eingehen. Wir stehen diesem Phänomen einer neuen weltweit aktiven Zerstörungskraft recht hilflos gegenüber. Bekanntlich haben die Vereingten Staaten von Amerika diesem global orientierten Terrorismus den Krieg angesagt. Es handelt sich dabei um einen neuen Weltkrieg ganz eigener Art und Weise, der nicht mehr mit den vorherigen Weltkriegen vergleichbar ist.
Wie artikuliert sich dieser neue Weltkrieg. Zunächst die Seite der Terroristen. Sie entstammen vormodern konstituierte Gesellschaften der unterentwickelten Peripherien und Semiperipherien, die den Kräften der Globalisierung ausgesetzt sind. Die globalen Modernisierungskräfte, basierend auf Individualität, stellen in diesen Gesellschaften alle kollektiven Strukturen dieser Vormoderne in Frage. Als Gegenmodelle werden längst überholte kollektive Traditionen, z. B. die islamische Religion und das islamische Kollektiv der "Umma" angeboten. Es sollen also - ebenfalls global - moderne Kollektive geschaffen werden, die vormoderne kollektive Strukturen übernehmen. Man sollte wissen, was dies beinhaltet. Hierzu gehört die Ablehnung von Grundprinzipien der ausdifferenzierten Moderne wie Gewaltenteilung, Trennung von Kirche und Staat, Privatbesitz und individuelle Rechtsperson. Besonders die Religionsfreiheit ist diesen "Hütern der einen absoluten und ewigen Wahrheit" ein Dorn im Auge. Auf dem Weg in dieses rückwärtsgewandte Paradies ergreifen diese politischen Akteure des Vorgestern jedoch alle Errungenschaften der Moderne und Postmoderne; außerdem wollen sie ihre rückständigen Gesellschaften auf ihre Weise radikal verändern, d.h. wider die artikulierten Intentionen modernisieren! Ihr Hauptfeind ist jedenfalls der gottlose Westen oder die Zentren der Weltwirtschaft und der Globalisierung.
Diese sonderbare "Gleichzeitigkeit der Ungleichzeitigkeiten" hat bekanntlich tödliche Auswirkungen und ist ernstzunehmen. Die USA haben dies nach dem Anschlag auf das World Trade Center getan. Sie sind mit ihrem Militär in den Irak und in Afghanistan einmarschiert , darüber hinaus sind sie weltweit in der Bekämpfung dieses Terrorismus aktiv. Das wird ihnen nicht nur von den Betroffenen vorgeworfen, sondern auch viele Menschen und Regierungen der Länder des Westens opponieren gegen diesen neuen Weltkrieg der USA. Argumentiert wird mit der UN-Charta und dem Menschenrechtskatalog, der in diesem Krieg von Seiten der USA verletzt würde. Dass die Politiker dieser Semiperipherien und Peripherien und besonders die Terroristen aber weder die Prinzipien der UN-Charta noch den Menschenrechtskatalog achten, scheint bei den Opponenten keine Rolle zu spielen.
Bezieht man sich erneut auf die DP-Kurve, können einige Kräfte dieses neuen weltweiten Terrorismus und des neuen Weltkriegs verständlich werden:
Die Symbole und die Gesellschaftsformationen sind der Theorie des amerikanischen Psychologen und Soziologen Don Beck entnommen. Siehe hierzu folgende Website: http://www.spiraldynamics.net/ oder sein Buch: Spiral Dynamics. Auf diese Theorie wird in den weiter unten angebotenen Publikationen eingegangen.
Die Terroristen entstammen ausschließlich den 'kollektivistischen' Gesellschaftsformationen der linken Seite der DP-Kurve. Hier tummeln sich alle Nationen der Welt außer die des Westens, die auf der rechten Seite der DP-Kurve angesiedelt sind. Alle Gesellschaften der linken Seite der DP-Kurve wollen in den Status der Gesellschaften der Moderne gelangen, doch die Terroristen bevorzugt mit den Strukturen der kollektiven Vormoderne. Es ist evident, dass sich hierbei die Gesellschaftsstrukturen der Vormodere und Moderne wie antigonal gegenüberstehen.
"Verstehen" und "Nachfühlen" der Anliegen der Menschen der Gesellschaften der linken Seite der DP-Kurve bringt überhaupt nichts, denn für die 'individualisierten' Gesellschaften der Moderne auf der rechten Seite der DP-Kurve im Kontext der Globalisierung gibt es diesbezüglich NICHTS zu verstehen. Jedes "Verstehen" hieße hier Rückschritt und Untergang! Gleiches gilt für die vielbeschworene "Toleranz". Bezüglich der Strukturen dieser Gesellschaften und ihrer "Wirklichkeitsmodelle" gibt es für den Westen nichts zu tolerieren. Man kann es zwar hinnehmen, aber nicht noch als Vorbild oder mögliche Daseinsoptionen der globalisierten Moderne verstehen. Wir hatten schon unsere Vor- und Frügeschichte mit Stammestreiben und Stammeskriegen, 'dunklen Zeitalter', die alten Imperien, das Mittelalter mit Religionskriegen und Inquisition, später auch den Absolutismus, und je in West oder Ost den Faschismus sowie Kommunismus. Wir müssen dies nicht nochmals wiederholen und erneut durchleben. Für die westlichen modernen Gesellschaften bedeutet dies alles Rückschritt. Diese harsche Konsequenz wird von Europäern sonderbarerweise gerne verdrängt, die USA haben sie dagegen gezogen. Sie gehen schlicht davon aus, dass der 'Westen zur Dominanz' verurteilt ist, wie es der leider zu früh verstorbene Frankfurter Soziologie Karl Otto Hondrich, gewiss nicht imperial orientiert oder kriegslüstern, einmal formuliert hat.
Zu dieser Gemengelage habe ich einen wohl recht provokativen Beitrag Über die Rolle der USA im Zeitalter des globalen Terrorismus verfaßt. Er wurde noch zur Zeit der Präsidentschaft von Georg Bush verfasst. Seit 2008 ist Barak Obama Präsident der Vereinigten Staaten. Am Kampf gegen den weltweiten Terrorismus hat er bisher nichts verändert - Stand 2009.
A version in English:
In der Englischen Version habe ich ein Unterkapitel "The case of Israel" eingefügt. Wenn man im dritten Milenium der Zivilisation ein ganzes Volk vernichten und ins Meer jagen will, hat dieses Volk wohl ein Recht auf die Verteidung seiner selbst und seiner zivilisatorischen Erungenschaften und Standards.
Man könnte allerdings auch behaupten, das der American Way of Life, spöttisch formuliert, die erfolgreichste Massenvernichtungswaffe des 20. Jahrhunderts , auch im 21. Jahrhundert in den Hochburgen der Fundamentalisten einschlägt, denn etwa drei Viertel der Welt hat man inzwischen schon erfolgreich mit dieser Kultur unterwandert. Früher oder später erwischt es deshalb wohl auch die Taliban, Al Kaida, die Iraner und die anderen Gotteskrieger in wallenden Gewändern und mit Bärten, die vom Himmelsreich auf Erden träumen, welches für alle anderen die Hölle ist.
Politik
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